BauchgefühlALLES RUND UM DAS KLEINE BÄUCHLEIN

Die erste Zeit nach der Geburt ist nicht selten durch stundenlanges Schreien überschattet. Das Baby wird im Gesicht ganz rot vor Anstrengung, die kleinen Beine werden immer wieder angezogen und der Bauch ist hart und aufgebläht – das Baby hat heftige Bauchschmerzen. Sobald die Luft abgegangen ist, ist der „Spuk“ dann vorbei.

Leider ist bis heute noch immer nicht ganz geklärt, was diese Beschwerden auslöst. Reine Verdauungsprobleme sind nur selten Ursache für Blähungen oder Koliken, vielmehr wird vermutet, dass viele Faktoren diese Bauchschmerzen verursachen.

Der Bauch, das Zentrum der Gefühle

Stattdessen ist es das Ankommen des Säuglings hier auf unserer Welt, das dem Baby zu schaffen macht. Viele Eindrücke stürmen auf das Neugeborene ein und müssen sprichwörtlich erst „verdaut“ werden. Viele Geräusche und Gerüche, die uns täglich begleiten und normal sind, haben Babys noch nie erlebt, wie zum Beispiel das Signal der Rettung. Sie machen dem Kleinen Angst, fehlt dann noch die Nähe der Mama, die als Sicherheits-anker gilt, ist die Folge eine Anspannung. Verlässt man die vertraute Umgebung, wie zum Beispiel die ständig wechselnden vorbeiziehenden Bilder bei langen Autofahrten, können Überforderung und Stress die Folge sein. Am Ende des Tages wirken die Kinder dann häufiger überdreht und zeigen ihre Unruhe durch Schreien, um innere Spannungen abzubauen. Für diese Ursache der Reizüberflutung spricht auch, dass Babys, die früher geboren wurden oder deren Schwangerschaft bzw. Geburt sehr schwer war, häufiger ihr Unwohlsein durch Schreien ausdrücken und an Blähungen zu leiden scheinen als andere „Frischlinge“.

Als Erwachsener kennen wir auch solche -Situationen, in denen uns alles zu viel wird. Ein Streit mit der besten Freundin, ein verpasster Anschlussflug oder Ärger im Büro schlagen uns auf den Magen und äußern sich abends mit Blähungen oder Bauchschmerzen, wenn Alltagssorgen nicht mehr verarbeitet und verdaut werden können. (Liebes)Kummer, Unsicherheit, Angst und Wut lässt die Magensensoren aufleuchten und beeinflusst ebenso die Verdauung. Genauso ergeht es den Kleinsten wenn vielleicht noch „Erinnerungen“ an die Geburt verarbeitet werden müssen oder aber Unwohlsein, Stress oder Reizüberflutung zu Bauchkrämpfen führt.

Durch das vermehrte Schreien oder durch hastiges Trinken wird zusätzliche Luft aufgenommen und gelangt in den Bauch, die dann wieder raus muss. Der Teufelskreis beginnt! Wichtig ist in diesen Situationen selber Ruhe zu bewahren, was – verständlicherweise – sehr herausfordernd ist, wenn die Nerven blank liegen. Einige tiefe Atemzüge in den Unterbauch und sich selber kurz zurücknehmen, um wieder mehr zur Mitte zu finden, können unterstützend wirken. Denn die eigene Unsicherheit und Nervosität der Mutter, sowie Spannungen zwischen den Eltern übertragen sich wieder auf das bereits schreiende Kind und führen dann zum Super-Gau. Einige Mütter versuchen in solchen Situationen ihre Zwerge durch erneutes Stillen zu beruhigen, weil es vielleicht doch noch Hunger haben könnte. Auch hier gilt die Vermutung, dass ein häufiges Anlegen an die Brust oder die vermehrte Flaschengabe Bauchbeschwerden verstärken können. Zum einen, weil durch das Schreien das Baby hastig – wenn überhaupt – trinkt und dabei mehr Luft aufnimmt, zum anderen weil häufiger frische Milch auf die halbverdaute Milch trifft. Eine Veränderung der Krämpfe kann sich in diesem Fall durch regelmäßige Mahlzeiten beobachten lassen. Aus diesen Gründen sollte man sich ausreichend Zeit für die Nahrungsaufnahme des Babys in einer angenehmen Atmosphäre nehmen, egal, ob man stillt oder die Flasche gibt. Denn genau dieses Zeitfenster kann man mehrmals am Tag für eine Auszeit aus dem Alltag vor Reizüberflutungen für das Baby und einen selbst nutzen.

Was genau ist eine Kolik?

Mittlerweile wird oft jegliches Weinen als Sammelbegriff „Kolik“ bezeichnet. Nicht jede Art von Bauchschmerzen entspricht einer Dreimonatskolik. Zeigen sich heftige Schreiattacken ab der 2. Lebenswoche über einen Zeitraum von drei Wochen an drei Tagen oder mehr in der Woche für eine Dauer von drei Stunden täglich, wird von einer 3-Monats-Kolik gesprochen, die sich in der Regel nach dem 3. Lebensmonat meistens wieder legt. Diese Schreibabys unterscheiden sich von weniger schreienden Babys durch das übermäßige, extrem lang anhaltende Gebrüll ohne erkennbaren Grund, welches von weiteren Gegebenheiten begleitet ist:

  • Beginn häufig ab der zweiten -Lebenswoche
  • „Höhepunkt“ des Schreiens vor allem am Nachmittag und Abend bis in die Nacht oder nach Mahlzeiten
  • unstillbare Unruhe
  • Probleme mit dem Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Fütterungsstörungen

Gestillte und nicht gestillte Babys sind gleich betroffen.

Vieles spricht dafür, dass das noch „unreife“ Verdauungssystem in den ersten Lebensmonaten zu Beschwerden wie Blähungen und Bauchschmerzen führt. Der Magen-Darm-Trakt des Neugeborenen muss sich erst an die veränderte Nahrungsaufnahme und -verarbeitung nach der Geburt gewöhnen. Solange das Baby im Bauch der Mutter ist, sind die Verdauungsorgane fast keimfrei und nach der Geburt bereits nach wenigen Wochen dicht besiedelt von Bakterien. Mit den neuen aufgenommen, hinuntergeschluckten Keimen muss sich der Darm erst zurechtfinden und die Darmflora aufbauen. Auch das schnelle Wachstum von Magen und Darm kann Schmerzen verursachen, denn bereits in den ersten sechs Monaten wird das Geburtsgewicht verdoppelt. Diese Umstellung kann das übermäßige Schreien und die Bauchkrämpfe verursachen.

Was hilft noch?

  • Der „Fliegergriff“ erleichtert dem geplagten Baby durch den sanften Druck auf den Bauchraum die gestaute Luft besser entweichen zu lassen. Dazu wird der Sprössling bäuchlings auf den Unterarm gelegt oder quer über die Oberschenkel. Eine warme Handfläche im unteren Rücken oder ein Kirschkernkissen schaffen eine weitere Erleichterung.
  • Leidet das Baby abends verstärkt an Bauchkrämpfen empfiehlt es sich bereits in den Vormittagsstunden das Baby ins Tragetuch zu nehmen. Die körperliche Nähe, der vertraute Geruch und die Wärme entspannen das Baby. Die gemeinsamen Bewegungen in der Tragehilfe regen die Darmperistaltik an und der Bauch wird immer wieder sanft massiert. Durch die aufrechte Haltung geht der Druck mit der Schwerkraft nach unten. Der durchgehende Bauch an Bauch Körperkontakt mit der Mutter stärkt die Mitte des Babys.
  • Wird die Flasche gegeben, empfiehlt es sich zu warten bis sich der Schaum bzw. die Luftbläschen vom Schütteln gelegt haben oder mit einem Löffel umzurühren. Im Handel sind auch Anti-Kolik-Flaschen erhältlich.
  • Lassen Sie Ihr Baby schon während der Mahlzeit öfters ein „Bäuerchen“ machen bzw. aufstoßen und legen Sie Ihr Kind dabei über die Schulter, damit sich nicht zu viel Luft im Bauch sammeln kann.
  • Ein warmes Bad nach der Bauchmassage oder ein Kirschkernkissen am Bauch können die Situation entspannen.
  • Kuscheln, Schaukeln und Wippen auf dem Gymnastikball ist eine gemütliche sitzende Alternative für den Elternteil mit dem Baby auf dem Arm. Diese Bewegung gleicht den Bewegungen im Mutterleib und wird als besonders beruhigend empfunden.
  • Kümmelzäpfchen oder das richtige -homöopathische Mittel können eine Abhilfe schaffen.
  • Ein guter Kontakt des Babymundes mit der Brustwarze bzw. der richtige Sauger (Sauglochgröße) wirken Wunder.
  • Eine Änderung der Flaschenkost eventuell mit dem Kinderarzt abklären.
  • Achten Sie auf warme Füße bei Ihrem Baby bei Blähungen. Bereits in der Geburtsvorbereitung wird erklärt wie wichtig es während der Geburt ist keine kalten Füße zu haben, denn Kälte verstärkt wieder den Schmerz.

Und erinnern Sie sich doch einmal was uns selbst am besten beiSchmerzen und Unwohl-sein hilft. Bereits eine bedingungslose Umarmung, ein liebevoller Zuspruch und tröstende Worte können heilsam wirken. Vergessen Sie nie, dass diese unzufriedene Zeit des Schreiens keine Kritik an Ihren elterlichen Qualitäten sein soll und versuchen Sie es nie persönlich zu nehmen, wenn Sie nicht gerade das richtige Hilfsmittel finden, um Ihren Schatz zu beruhigen. Jeder Tag ist anders und ist eine erneute Herausforderung.

Spezielle Glücksgriffe bei Blähungen

Blähungen lösen

Beide Hände übereinander auf die Brust des Babys legen und sanft Kontakt aufnehmen. Dann mit langsamen, gleichmäßigen Druck bis zum Bauchnabel wandern – Kurz die Hände ruhen lassen und anschließend mit beiden Händen übereinander und mit leichten Druck im Uhrzeigersinn kreisende Bewegungen um den verheilten Nabel ausführen. Diese Technik kommt aus dem Babyshiatsu. Die Bauchmuskulatur wird entspannt, die Blähungen können besser abgehen und die Verdauungskraft wird gestärkt. Durch diese speziellen Handgriffe werden wichtige Akupunkturpunkte im Bauch- und Nabelbereich aktiviert, die besonders wirksam bei Verdauungsproblemen und Blähungen sind.

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Bauch beruhigen

Ruhig Kontakt mit dem Baby aufnehmen und anschließend die Daumen rechts und links neben dem Bauchnabel sanft kreisen lassen, bis der Punkt weicher wird. Neben dem Nabel befindet sich der Akupunkturpunkt „Magen 25“ der dem Alarmpunkt des Dickdarms entspricht. Aus fernöstlicher Sichtweise hat dieser einen direkten Einfluss zum Organ und wirkt aus diesem Grund harmonisierend auf den Darm. Hat das Baby Durchfall, beruhigt sich der Darm. Bei Verstopfung wird er angeregt.

Damit die Blähungen bei Säuglingen besser entweichen können, hilft es, den Babybauch mit besonderen Techniken und Handgriffen zu massieren. Die wohltuende Bauchmassage und Kolikmassage ist einfach erlernbar und sofort vorbeugend sowie akut einsetzbar, um Unterstützung in dieser schmerzhaften Zeit zu geben. In ruhiger Atmosphäre sind diese heilsamen „Glücksgriffe“ in einem Kurs oder zu Hause unter professioneller Anleitung von mir erlernbar und sofort umsetzbar.

Autorin: Daniela Perner