FolsäureBei Kinderwunsch und in der Schwangerschaft

Die Folsäure, auch Vitamin B9 (früher als Vitamin B11 bezeichnet) oder Folat genannt, ist ein 1941 entdecktes Vitamin, das hitze- und lichtempfindlich ist und der Gruppe der wasserlöslichen B-Vitamine zugeordnet wird.

Als essentielles Vitamin, das der menschliche Organismus nicht selbst herstellen kann, muss es mit der Nahrung zugeführt werden. In kleinen Mengen ist es in Vollkornprodukten, grünem Blattgemüse, roten Rüben, Brokkoli, Karotten, Spargel, Kohlsprossen, Paradeisern, Nüssen und Eigelb enthalten. Ebenfalls finden sich Spuren in Fleisch, Fisch und Obst. Die bedeutendsten Lieferanten sind jedoch Weizenkeime und deren Kleie sowie Kalbs- und Geflügelleber. Da Folsäure beim Kochen leicht zerfällt, sollte nur in einem zugedeckten Topf mit wenig Wasser gegart werden.

Warum brauche ich Folsäure?

Die biologische Funktion von Folsäure liegt hauptsächlich in der Beteiligung an der Synthese von DNA-Bausteinen (genetisches Material, Erbgut). Ebenso unterstützt sie die Gehirnfunktion und ist maßgeblich an der Bildung der roten Blutkörperchen beteiligt. Die Hormone Noradrenalin und Serotonin, die chemische Komponenten im menschlichen Nervensystem darstellen, benötigen Folsäure zu ihrer Produktion. Daher spielt die Folsäure besonders in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle, ebenso bei sich häufig teilenden Zellen, wie sie im Knochenmark vorhanden sind. Um ins Zellinnere zu gelangen, bedarf es spezieller Transporter. Dieser Transport spielt sich vor allem in den Darm-Schleimhaut-Zellen ab. Gespeichert wird die Folsäure in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Ein Überschuss an Folsäure kann nicht gespeichert werden, führt zum Rückgang aller Folsäure transportierenden Proteine und zu einem Endloskreislauf im Körper. Es besteht die Gefahr, dass ein Vitamin-B12-Mangel so überdeckt wird.

Das Vitamin selbst ist empfindlich gegen UV-Licht, Sauerstoff, Erhitzen und Schwermetalle. Zu langes Kochen und Wässern sollten ebenso vermieden werden.

Anzeichen eines Mangels

Ein Mangel an Folsäure führt zu einer speziellen Form der Anämie, die im Blutbild sichtbar ist. Erhöhter Alkoholkonsum sowie Leber- oder Dünndarmerkrankungen können einen Folsäuremangel hervorrufen.

Die Anzeichen des Folsäuremangels gleichen dem bekannten Eisenmangel: Müdigkeit und Schwäche sind typische Symptome, aber auch Nervosität und Reizbarkeit weisen schon auf einen Folsäuremangel hin.

Bei der Frau ist der Bedarf an Folsäure nicht nur während der Einnahme der Pille, sondern vor allem innerhalb der Schwangerschaft erhöht. In der Embryonalentwicklung kann ein Folsäuremangel die Entstehung von Neuralrohrdefekten wie z. B. Spina bifida oder Anenzephalie (auch offener Rücken genannt) begünstigen. Da dieser Defekt schon in den ersten drei Schwangerschaftswochen entstehen kann, zu einem Zeipunkt, an dem die Schwangerschaft meist noch nicht einmal bekannt ist, ist die regelmäßige Aufnahme von Folsäure bei Frauen mit prinzipiellem Kinderwunsch von besonderer Bedeutung. Ebenso scheint ein Mangel an Folsäure Frühgeburten zu fördern und an der Entwicklung von angeborenen Herzfehlern beteiligt zu sein.

In Deutschland ist etwa eins von achthundert Kindern betroffen, nicht mitgerechnet die wegen diagnostizierter Spina bifida (offener Rücken) abgebrochenen Schwangerschaften. In Österreich werden jährlich circa hundert Säuglinge mit einem offenen Rücken geboren. Die Häufigkeit liegt damit hierzulande bei etwa acht Fällen pro 10.000 Neugeborenen.

Es wird in mehreren universitären Forschungslabors die Mitverantwortung der Folsäure an der Zellreifung, Zelldifferenzierung und Zellteilung besonders von roten und weißen Blutkörperchen, sowie von Schleimhautzellen untersucht. Ebenso scheint Folsäure einen günstigen Einfluss auf Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, wie zum Beispiel Arteriosklerose zu haben.

Wieviel Folsäure brauche ich?

Da es in der Praxis generell sehr schwierig ist, sich so zu ernähren, dass die empfohlene Menge an Folsäure erreicht wird, lautet die allgemeingültige Empfehlung, schon bei Kinderwunsch vorbeugend und während der gesamten Schwangerschaft 600 µg Folsäure regelmäßig zu sich zu nehmen. Diese kann auch während der Stillzeit beibehalten werden. Die vorbeugende Einnahme wird deshalb empfohlen, da sich ein offener Rücken bei entsprechend rechtzeitig begonnener Folsäure-Einnahme innerhalb der ersten vier Schwangerschaftswochen wieder schließen kann. Ebenso wird das allgemeine Risiko einer Fehlgeburt maßgeblich gesenkt. Frauen, die schon ein Kind mit offenem Rücken geboren haben tragen ein erhöhtes Risiko wieder ein Kind mit der gleichen Behinderung zu bekommen. Für sie ist die Folsäure-Prophylaxe von ganz besonderer Bedeutung. In solchen Fällen kann der Arzt sogar ein höher dosiertes Folsäure-Präparat verschreiben. Es lohnt sich auf eine gesunde Ernährung zu achten. So kann einem Mangel wirkungsvoll vorgebeugt werden.

Autorin: Mag. pharm. Dr. Irene Promussas