Gesunde Ernährung in der FamilieDrei Tipps von Vera Rosenauer

Vor Kurzem wurde ich zum Thema „Gesunde Ernährung in der Familie“ interviewt und die letzte Frage war jene nach meinen besten Tipps. Und genau diese möchte ich hier jetzt für dich auflisten:

1. Selber kochen – und das gerne gemeinsam!

Ja, ich weiß, das klingt nach Arbeitsaufwand und das ist es sicherlich auch. Aber wenn gesunde Ernährung einen gewissen Stellenwert in deiner Familie haben soll und du deinem Kind diesen Wert auch für seine Zukunft mitgeben möchtest, ist es auch notwendig, Zeit aufzuwenden.

Vergiss die Idee, dass selber kochen ganz schnell und nebenbei funktioniert, wie das oft in (Frauen)Zeitschriften erklärt wird. Das Kochen selbst vielleicht schon, aber da ist doch auch eine Menge an Vor- und dann Nacharbeit notwendig, so ehrlich möchte ich schon sein:

  • Kühlschrankkontrolle – was ist da und gehört „verbraten“? Welche Vorräte müssen ergänzt werden?
  • Menüplanung – was wird in den nächsten Tagen gekocht? Inklusive Berücksichtigung individueller Vorlieben, Abneigungen und Wünschen …
  • Familienmanagement – wer ist wann zu Hause, wie viele Esser sind bei welcher Mahlzeit satt zu machen?
  • Einkauf – Liste schreiben, Einkauf durchführen, Einkäufe ausräumen und sinnvoll lagern
  • Gemeinsam kochen und essen
  • Aufräumen und Küche saubermachen
  • Reste lagern und verwerten – und damit geht’s zurück zum Anfang …

Da erzähl ich dir bestimmt nix Neues – an vielem kannst du aber dein Kind teilhaben und mitmachen lassen. Das ergibt viel gemeinsame Qualitätszeit, in der dein Kind je nach Alter ganz viel implizit und praktisch lernen kann.

  • Sinnliche Erfahrungen beim Angreifen und Kosten
  • Motorische Übung – schon ganz Kleine können mit einem Plastikmesser Bananen für den Obstsalat schneiden.
  • Lesen und Schreiben üben – das macht gleich viel mehr Spaß, wenn es mit Sinnvollem geübt wird als mit einer Reihe gleichlautender Buchstaben.
  • Rechnen – da ist der Supermarkt eine wahre Spielwiese: Packungsgrößen vergleichen, Preise berechnen, Entlarven von Mogelpackungen und Marketingtricks …
  • Dazu kommen noch weitere wunderbare Dinge wie Selbstwirksamkeit, Teamwork, Lebensmittelkunde, etc. Außerdem ergeben sich beim gemeinsamen Tun viel bessere Gelegenheiten für Gespräche als in der klassischen Frage-Antwort-Situation.

Verwende hauptsächlich Zutaten mit kurzer Inhaltsliste

Gesunde Ernährung kann man auf unterschiedlichste Arten definieren, es gibt eine Vielzahl an Richtungen und Methoden, nach denen man essen kann.

Für mich ist ein wichtiger Punkt ganz simpel: die richtigen Lebensmittel essen. Diese erkennt man am besten daran, dass sie keine oder nur eine kurze Zutatenliste haben (wie Obst und Gemüse).

So ein Blick aufs Kleingedruckte kann sehr aufschlussreich sein – mach es dir zur Gewohnheit, bei verarbeiteten Produkten (Ich verwende hier bewusst nicht das Wort Lebensmittel!) die Zutatenliste durchzulesen. Das verdirbt einem oft schon von ganz alleine den Appetit auf das Produkt.

Mit älteren Kindern kannst du da fein den versteckten Zucker heraussuchen. Alles, was auf -ose endet, ist im Prinzip Zucker und wenn die Kekse somit vier verschiedene Zuckerarten enthalten, ist eher Vorsicht geboten! Oder man kann auch vergleichen: Was ist eigentlich in selbstgebackenen Kuchen drin und was befindet sich im fertigen mit der Plastikverpackung?

Die Eltern bestimmen, was auf den Tisch kommt – die Kinder bestimmen, was und wie viel davon gegessen wird!

Diesen Satz könnte man auch als meine goldene Regel für das Familienessen nennen, auch wenn das auf den ersten Blick autoritärer klingen mag, als es gemeint ist. Man sagt, Kinder im Wachstum brauchen fünf Mahlzeiten täglich – drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten. Wenn ich als Mutter diese dem Kind in einigermaßen gesunder Form „bereitstelle“, brauche ich keine Sorgen haben, dass das Kind zu wenig bekommt – weder hinsichtlich der Menge, noch bezüglich der Nährstoffversorgung. Denn selbst wenn das Kind mal bei einer Mahlzeit weniger isst, weil es nicht so viel Appetit hat oder auch weil ihm das Gericht nicht schmeckt, ist das auch in Ordnung. In zweieinhalb bis drei Stunden steht ohnehin wieder die nächste Mahlzeit auf dem Programm. Es wird vielleicht etwas mehr Hunger spüren als normal, aber es wird gewiss nicht hungern müssen. Da müssen es wirklich nicht die Kekse oder Reiswaffeln sein, damit das Kind „wenigstens irgendwas“ isst.

Selbstverständlich ist es in Ordnung, auf Vorlieben oder Abneigungen des Kindes Rücksicht zu nehmen. Wobei ich jedoch nicht meine, dass extra drei verschiedene Speisen gekocht werden, damit jeder nur nach seinen Vorlieben essen kann. Diese Rücksicht ist eher pragmatisch gemeint und lässt sich im Alltag einbauen, ohne dass sie besondere Umstände macht. Wenn ich weiß, dem Kind schmeckt das heutige Hauptgericht nicht, dann plane ich vielleicht davor seine Lieblingssuppe ein, von der es dann mehr essen kann, oder es gibt vom Vortag noch eine Restportion von etwas anderem. Von meiner Großen weiß ich, dass sie keine Bohnen mag. Eine Portion vom Chili con Carne separat aufzubewahren, bevor die Bohnen reinkommen, ist kein besonderer Aufwand. Selbstverständlich dürfen und sollen die Kinder auch bei der Menüplanung mitreden, so dass auch jeder mal mit seinem Wunschgericht an der Reihe ist.

Versuche dich also insgesamt in Gelassenheit zu üben und deinem Kind zuzutrauen, dass es vieles von dem, was dir wichtig ist, ihm zu vermitteln, für sein Leben mitnehmen wird – auch wenn es phasenweise nicht so ausschaut.

Wir wollen ja schließlich, dass die Freude am Essen und der Genuss im Vordergrund stehen.

Autorin: Vera Rosenauer