Jetzt im Mutter-Kind-PassDas Beratungsgespräch mit Ihrer Hebamme

Mit der am 1. November 2013 in Kraft getretenen Novelle des Kinderbetreuungsgeldgesetzes ist nun ein einstündiges Beratungsgespräch durch eine Hebamme innerhalb der 18. bis 22. Schwangerschaftswoche vorgesehen und kann von jeder Frau in Anspruch genommen werden. Seit Beginn diesen Jahres ist auch Tarif und Abrechnungsmodus mit den Krankenkassen geregelt und das Beratungsgespräch ist nun für jede schwangere Frau kostenlos.

Viele schwangere Frauen und auch deren Partner bzw. Begleitpersonen begegnen erst in den letzten zehn Wochen einer Hebamme: im Rahmen eines Geburtsvorbereitungskurses, bei einem Kontroll-CTG in der Schwangerenambulanz oder wenn sich die Geburt ankündigt und der Weg in den Kreißsaal führt.

Die Hebammentätigkeit beginnt jedoch bereits am Anfang der Schwangerschaft und zieht sich über das gesamte erste Lebensjahr des Kindes. Hebammen bieten auf der einen Seite medizinische Betreuung an, andererseits steht eine einfühlsame Beratung und Information im Mittelpunkt. Mit der Beratung in der 18. bis 22. Schwangerschaftswoche steht nun allen Frauen die kostenfreie Möglichkeit offen, bereits in der Schwangerschaft mit einer Hebamme in Kontakt zu treten.

Der Wunsch nach früheren und wiederholten Beratungsgesprächen mit einer Hebamme ist bereits jetzt groß – hier handelt es sich um den ersten Schritt in die richtige Richtung.

Wie erfahren Frauen von dieser Beratungsmöglichkeit?

Auf der einen Seite versucht das Österreichische Hebammengremium durch Berichte in den Medien (wie zum Beispiel diesen Artikel) und im Internet (www.hebammen.at) sowie durch Plakataussendungen an niedergelassene Fachärzte und gynäkologische/geburtshilfliche Ambulanzen die Frauen über diese Neuheit zu informieren. Zusätzlich versuchen Hebammen auf kreative Art und Weise darauf aufmerksam zu machen – Plakate werden in Apotheken aufgehängt, andere verteilen Karten in den Ordinationen praktischer Ärzte, werben dafür in den Hebammenordinationen oder arbeiten eng zusammen mit GynäkologInnen. Ideen dazu sind keine Grenzen gesetzt.

Auf der anderen Seite steht jede einzelne Frau, die bereits ein solches Gespräch in Anspruch genommen hat. Was gibt es besseres als Mundpropaganda? Was gibt es besseres als die Erfahrung eines solchen Gespräches selbst gemacht zu haben und Erfahrungen damit an andere schwangere Frauen im Umfeld weiterzugeben?

Zudem wird es jetzt im Herbst 2014 einen Neudruck der Mutter-Kind-Pässe geben. Die Information wird somit bereits am Beginn der Schwangerschaft den Frauen in die Hand gegeben. Spätestens beim Durchblättern des kleinen Büchleins wird jede Frau darauf stoßen. Wenn der Facharzt von sich aus nicht näher darauf eingeht, hat jede schwangere Frau die Möglichkeit nachzufragen und weiterführende Auskunft zu erhalten.

Wie finde ich eine Hebamme, die dieses Beratungsgespräch laut Mutter-Kind-Pass anbietet?

Nicht alle Hebammen bieten dieses Gespräch automatisch an. Um es anbieten zu können, muss die Hebamme sich dafür beim Österreichischen Hebammengremium registriert haben und kann dadurch auf der Homepage www.hebammen.at gefunden werden. Unter dem Menübalken „Eltern“ befindet sich die „Hebammensuche“.

In der gedruckten Elternbroschüre “Hebammen” des Österreichischen Hebammengremiums wird dazu ebenfalls informiert und im hinteren Bereich der Broschüre ist eine Übersicht an freiberuflichen Hebammen zu finden.

Sollten Frauen das Bedürfnis haben dieses Gespräch mit anderen Frauen gemeinsam in Anspruch zu nehmen wäre dies auch eine Möglichkeit. Entweder organisieren sich Frauen, die sich kennen, einen gemeinsamen Termin oder es treffen sich fremde Frauen und es findet unter anderem eine Art Austausch statt. In dem Fall würde das Gespräch, je nach Gruppengröße, länger dauern. Die Hebamme würde in einem solchen Rahmen versuchen auf jede Frau einzugehen und zeitlich jeder einzelnen Frau einen Platz zu geben. In diesem Fall würde es sich auch um ein Gespräch nur unter Frauen handeln.

Im Fall einer Einzelberatung hat die schwangere Frau natürlich auch die Möglichkeit ihren Ehemann/Partner zum Gespräch mitzubringen. Findet ein solches Gespräch während der Arbeitszeit der schwangeren Frau oder ihres Ehemannes/Partners statt, kann eine Zeitbestätigung ausgestellt werden.

Was erwartet eine schwangere Frau bei einem solchen Gespräch?

Im Vordergrund stehen die Fragen, Unklarheiten und Sorgen mit der die schwangere Frau zum Beratungsgespräch kommt. Hilfreich kann es schon im Vorfeld sein, wenn diese Fragen schriftlich festgehalten werden und vielleicht nach Wichtigkeit gereiht sind. Es kann durchaus sein, dass auf die eine oder andere Frage aufgrund von zeitlicher Beschränkung nicht eingegangen werden kann.

Hier eine unvollständige Auflistung möglicher Themen:

Schwangerschaftsbeschwerden, weiterer Verlauf in der Schwangerschaft

Viele schwangere Frauen sind irritiert von den vielfältigen körperlichen Veränderungen in der Schwangerschaft und wie sich diese äußern können. Zum Teil werden sie auch als sehr unangenehm und als schmerzhaft empfunden. Oft hilft es schon einfach nur zu wissen, was hinter den Beschwerden steht, warum diese auftreten und dass diese zu einer Schwangerschaft dazu gehören können. Hebammen ist es möglich Hintergründe zu erklären und über mögliche Abhilfen (z.B. Homöopathie, Akupunktur, Craniosakral Therapie, Kräuterheilkunde, etc.) zu informieren.

Wesentlich – neben dem bisherigen Verlauf – ist auch der weitere Verlauf der Schwangerschaft. Für so manche Frau ist es wichtig gemeinsam durch den Mutter-Kind-Pass zu blättern und Unklarheiten dazu zu klären:

Sinnhaftigkeit eines Geburtsvorbereitungskurses? Wo findet ein solcher statt? Welche unterschiedlichen Schwerpunkte gibt es (z.B. nur für Frauen, für Paare, für Mehrgebärende, für Väter, einmalig am Wochenende, über mehrere Wochen, …)?

Informationen über Geburtsverlauf, Wochenbett und Stillen

Es ist durchaus sinnvoll sich bereits zu Beginn der Schwangerschaft mit dem Ort der Geburt auseinanderzusetzen. Es gibt geburtshilfliche Einrichtungen in Österreich, wo eine Anmeldung nach der 12. Schwangerschaftswoche fast nicht mehr möglich ist. Dies trifft aber nur auf eine kleine Zahl von Spitälern zu. Dennoch ist dieses Gespräch für viele Frauen nochmals eine gute Möglichkeit die verschiedenen Optionen aufgezeigt zu bekommen und die Wahl des Geburtsortes individuell zu treffen. Ob eine Geburt zu Hause stattfindet, in einem Geburtshaus oder in einem Spital ist sehr von den persönlichen Vorstellungen und Erfahrungen abhängig.

Die Hebamme gibt auch Tipps zur Vorbereitung auf ein angenehmes Wochenbett. Kommt eine Hebamme nach Hause? Was benötigt eine Wöchnerin? Wie ist das mit Geschwisterkindern? Warum Stillen? Wie kann Stillen in den ersten Tagen und Wochen gut unterstützt werden?

Ernährung, Bewegung, Rauchen, Alkohol, Drogen, Schutz vor Krankheiten, Vernetzungsmöglichkeiten

Je nach persönlichem Umfeld werden diese Themen mehr oder weniger wichtig für die einzelne schwangere Frau sein. Die aufgezählten Punkte wirken sich direkt auf die Schwangere und die Entwicklung des Kindes aus. Hier besteht auch die Möglichkeit weiterer umfangreicher Information, der Empfehlung anderer Beratungsstellen oder Unterstützungsmöglichkeiten.

Eine Schwangerschaft ist ein besonderer Einschnitt in das Leben einer Frau und deren Beziehungsumfeld. Je nach Lebenssituation kann sich diese leicht ins Leben einfügen oder aber ein Gefühl der Überforderung auslösen. Hierbei kann die Beratung mit einer Hebamme entlasten. In den verschiedenen Bundesländern werden unterschiedliche Angebote zur Unterstützung in der Zeit der Schwangerschaft, wie auch im ersten Lebensjahr des Kindes und darüber hinaus angeboten. Die Hebamme kann auf die individuelle Situation eingehen, vernetzen und Möglichkeiten aufzeigen.

Wie ist das mit der kostenlosen Beratung?

Einer einstündigen Beratung mit dieser großen Themenbreite sind natürlich zeitliche Grenzen gesetzt, die womöglich nicht den Raum zur Klärung sämtlicher Fragen, Unklarheiten oder auch zur Lösungsfindung lassen.

Sollte mehr Zeit benötigt werden, bieten viele Hebammen weiterführende (kostenpflichtige) Hebammensprechstunden an. Es gibt auch Projekte, wo kostenlose Schwangerenberatung stattfindet, zum Beispiel das Wiener Hebammenzentrum (www.hebammenzentrum.at). Kontakte zu anderen Unterstützungsmöglichkeiten können ebenfalls entlasten.

Das Beratungsgespräch laut Mutter-Kind-Pass ist kostenlos für jede Frau. Jedoch besteht ein Unterschied, ob die Hebamme einen Kassenvertrag dafür hat oder dieses anbietet, ohne einen Kassenvertrag dafür zu haben.

Das Gespräch mit einer Hebamme mit Kassenvertrag rechnet diese direkt mit der Krankenkasse ab. Dafür muss die schwangere Frau nur das Abrechnungsformular der Hebamme unterschreiben. Das Gespräch mit einer Hebamme ohne Kassenvertrag bezahlt die Frau vorerst selbst (€ 45,- bis Februar 2015, danach € 47,- bis Februar 2016, danach € 50,- bis Februar 2017). Dafür erhält sie eine Rechnung, diese wird bei der Krankenkasse eingereicht und zu 100% rückerstattet.

Hebammen freuen sich auf jede Frau, die dieses Beratungsgespräch in Anspruch nehmen möchten!