Neues Leben – Neues LesenBüchertipps

So viele Bücher am Markt! So viele Neuerscheinungen, aber auch Klassiker, die gelesen – und wie immer auch VOR-gelesen – werden wollen! Da fällt es gar nicht leicht, Empfehlungen abzugeben. Aber über eine kleine Auswahl habe ich mich wieder „drübergetraut“ und hoffe, dass das eine oder andere interessante, lustige oder vielleicht überraschende Buch für Sie oder Ihr Kind dabei ist. Los geht es passend zur Jahreszeit mit einem Bastelbuch: Der Herbst ist da und mit ihm die Kastanien, die doch unbedingt von Klein und Groß kreativ „verarbeitet“ werden müssen, stimmt’s?

Lustige Kastanienfiguren für kleine Künstler

Norbert Pautner, Bassermann Verlag

Kastanien zu sammeln ist im Herbst ein Muss. Nicht nur, wenn man gerade Kinder hat! Bestimmt erinnert sich jede daran, wie sie damals selbst ganz einfach mit Zahnstochern Beine und einen Kopf an die Kastanien gezaubert hat und die verschiedensten Tiere oder Figuren geboren waren. Der Fantasie waren keine Grenzen gesetzt und das gilt natürlich auch heute – doch es schadet auch nicht, sich neue Inspiration zu holen. Und das gelingt wirklich gut mit dem druckfrischen -Bastelbuch „Lustige Kastanienfiguren“: Auf jeder Seite findet man ein Kastanien-Kunstwerk, von einer braunen Raupe über einen Löwen und einen Flamingo bis hin zu Rittern und Bauarbeitern – schon allein das Durchblättern und Bilderanschauen macht Spaß! Aber man kann dann auch ruhig loslegen und sich ans Werk machen – für Kinder ab 5 Jahren sind die Tipps gedacht, mit elterlicher Hilfe – speziell beim Löcherbohren – schafft´s aber sicher auch so manch jüngere/r -Bastler-in…

Planet Schule

Gemeinsam und unbeschwert den Schulalltag meistern

Ingeborg Saval, Trias Verlag

Mit dem Herbst hat ja auch die Schule wieder begonnen. Bei den meisten Schülern und Schülerinnen war nach den langen Ferien die Vorfreude aufs neue – vielleicht aufregende erste? – Schuljahr groß. Bei manchen Eltern bringt der Schulstart aber auch eine gewisse Ungewissheit oder Sorge mit sich. Eigene, manchmal weniger gute Erinnerungen an die Schulzeit kommen hoch, Fragen über Fragen stellen sich: Wird mein Kind gut lernen? Wird der Schulalltag in Stress ausarten? Findet mein Kind neue Freunde? Wie kann ich es unterstützen, seine Potenziale zu entfalten? Antworten auf diese und noch mehr Fragen versucht Ingeborg Saval im Buch „Planet Schule – Gemeinsam und unbeschwert den Schulalltag meistern“ zu geben. Saval ist Pädagogin und Psychotherapeutin und versteht es, schwierige Themen rund um den Start in den neuen Lebensabschnitt „Schule“ anzusprechen, zu beschreiben, und Lösungsvorschläge zu machen, sodass die Themen am Ende gar nicht mehr so schwierig erscheinen und Eltern und Kind gelassen an all die Situationen herangehen können. Denn liest man da zum Beispiel, dass sich Sechsjährige nur knapp mehr als zehn Minuten am Stück konzentrieren können, Neunjährige mit 25 Minuten auch nicht unbedingt „lange“, bringt man doch gleich ein besseres Verständnis für sein Schulkind auf. Was alles wichtig ist, wird mit vielen einzelnen Tipps, Erfahrungsberichten und Hinweisen im nett illustrierten, angenehm zu lesenden Buch anhand von vier „Grundbausteinen“ erklärt: 1. Keine übertriebenen, sondern ganz realistische Erwartungen vom gemeinsamen Schul- und Familienalltag zu haben – 2. Nach dem Motto „Schule fängt zu Hause an“ auch für Ausgleich und Entspannungsphasen zu sorgen – 3. Auf die individuellen Stärken und Schwächen seines Kindes zu achten, und zu guter Letzt Baustein 4: Mit seinem Kind im Gespräch zu bleiben! Über das, was ihm und das, was Ihnen wichtig erscheint, über seine und Ihre Gefühle auch offen zu sprechen. Das und noch mehr also im Buch nachzulesen – für die sichere Landung auf dem „Planet Schule“!

Zwei Papas und ein Baby – Unser Leben als (fast) ganz normale Familie

Tobias Rebisch, Heyne Verlag

Nicht nur, dass sie – zwei Männer – Eltern werden. Sie werden es auch noch über Nacht! Denn nach langem, zermürbendem Warten, einem Riesenaufwand in Sachen Bürokratie, nach Monaten des optimistischen Hoffens, Jahren des scheinbar vergeblichen Wartens läutet am Ende doch das Telefon – und „ihr“ Baby ist geboren und wartet im Krankenhaus auf seine neuen Eltern. Das ist die „Krönung“ der Geschichte, ist aber nicht allein die -Geschichte, um die es geht: Wirklich unter die Haut geht nämlich das Auf und Ab der Gefühle in diesem langwierigen Adoptionsprozess, das der Österreicher Tobias Rebisch ganz -offen und ehrlich in seinem Buch beschreibt. Wir Leser erfahren viel über das Prozedere, das es zu durchlaufen gilt, wenn man ein Kind adoptieren möchte, lesen auch, was die Forschung aktuell zum Aufwachsen von Kindern in sogenannten „Regenbogenfamilien“ sagt. Wir erfahren aber noch viel mehr über das Leben als homosexuelles Paar, lesen, was „anders“ ist, wie die Umwelt reagiert, mit welchen Vorurteilen Homosexuelle konfrontiert werden, wie sich die Familien der beiden Männer nach deren (eher späten? )„Outings“ verhalten, und erfahren am Ende, dass doch das Wichtigste immer und überall gleich ist und am meisten zählt: Die Liebe!

Ich habe dieses 200-Seiten Buch sozusagen in „Null-komma-nix“ durchgelesen, es ist kein literarisches Kunstwerk, aber es interessiert und fesselt und gerade das macht das Buch auch sympathisch – wie Rebisch selbst schreibt, hätte sich der Verlag zwischendurch quasi mehr „Ecken und Kanten“ gewünscht. Die gab es jedoch nicht! Speziell in den ersten Tagen und Monaten mit Kind geht es „Papa und Papi“, wie Rebisch und sein Mann von ihrem Sohn später genannt werden, genau so wie Mama und Papa: Durchwachte Nächte, Sorgen, ob man denn alles richtig macht, Schuldgefühle und Gewissensbisse abgewechselt von Momenten des unfassbaren Glücks und Glücklichseins. Rebisch beschreibt, wie es ist – und es ist gut so! (Und es erschreckt Papa und Papi auch nur ganz kurz, als Sohnemann Luis im Kindergarten -verkündet, er „will einmal seinen Freund Stefan -heiraten!“…)

Der überwachte Bauch. Wie viel ärztliche Schwangerenvorsorge brauche ich wirklich?

Doris Moser, edition riedenburg

Einfach nur „Guter-Hoffnung-Sein“ – das gibt’s schon lange nicht mehr. Heutzutage ist die Schwangerschaft viel mehr geprägt von Ängsten und Sorgen, von ärztlicher Überwachung und medizinischen Reglementierungen. Aber warum ist das so? Wann begann diese „Überwachung“ Schwangeren-bauches mit dem wunderbaren Häuflein Leben darin? Warum gehen Frauen meist widerspruchslos zu diversen Untersuchungen, lassen unreflektiert über sich ergehen, was angeblich zum Wohl von Mutter und Baby passiert? Was hat der Mutter-Kind-Pass damit zu tun und warum verlieren Frauen das Gefühl und Bewusstsein für ihren Körper und für ihr Kind und begeben sich in die Hände der Medizin(er)? Klar – auch ich habe mich gefreut, zu hören, dass mit meinem Baby alles bestens sei, dass mein Blutzucker vollkommen okay ist und auch vom Stupsnäschen auf dem Ultraschallbild war ich begeistert! Und trotzdem geistern mir nach der Lektüre des Buchs „Der überwachte Bauch“ einige Argumente durch den Kopf, die bei genauerem Hinsehen durchaus ihre Berechtigung haben: Schwangere Frauen werden zu -Patientinnen, was übersetzt aus dem Lateinischen ja eigentlich „Leidende“ bedeutet – aber im Normalfall sind -Schwangere ja nicht krank?!

Viel eher krankt es am System bzw. krankt das System – so ein wesentlicher Aspekt, den Doris Moser mutig zur Diskussion stellt. Viele Fragen tun sich da auf. Viele zum Teil auch „unbequeme“ Fragen, weswegen diese Neuerscheinung nicht überall auf Freunde bzw. Freude stoßen wird. Hebammen hingegen dürfen sich freuen, da die Conclusio der Autorin der Wunsch/die Forderung nach einer hebammenorientierten- und frauen- und mütterzentrierten Geburtshilfe ist.

Aber was beinhaltet das Buch konkret: Es beschreibt Geschichte, Sinn und vielleicht „Unsinn“ des Mutter-Kind-Passes. Unsinn zum Beispiel insofern: Es gibt keine sinnvolle Auswertung der Wirksamkeit der im Mutter-Kind-Pass vorgesehenen Leistungen. Die werdende Mutter wird mehrmals zum Gynäkologen, wird zum Internisten, wird ins Labor geschickt – alles wird überprüft und dokumentiert, um „einen problemlosen Verlauf der Schwangerschaft und eine gesunde Entwicklung des Kindes sicherzustellen“. Einige Untersuchungen machen natürlich Sinn, sind auch zum Teil lebenswichtig für Mutter und Kind (Blutdruck, Harn, Blutgruppe, Infektionskrankheiten,…) In Finnland gibt es jedoch nur zwei Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft – und „trotzdem“ gehört Finnland zu den Ländern mit den niedrigsten Säuglingssterblichkeitsraten? Hm… Zum besseren Verständnis erklärt Doris Moser, übrigens Medizinanthropologin und Autorin mehrerer Bücher zum Thema Schwangerschaft, ausführlich die im österreichischen Mutter-Kind-Pass durchzuführenden ärztlichen Untersuchungen, ebenso die pränataldiagnostischen Verfahren, die so häufig Anwendung finden, aber immer öfter V-erunsicherung mit sich bringen. Die medizinisch so umfassend überwachte Schwangerschaft wird allerdings als „sicher“ verkauft. Die Frauen geben die Verantwortung für ihre Schwangerschaft ans medizinische Personal ab und Moser hinterfragt: Gestehen Schwangere damit ein, den – physiologischen, natürlichen! – Vorgängen in ihrem Körper nicht gewachsen zu sein und deshalb professionelle Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen?

Der Arzt als der Experte, die Schwangere als Hilfsbedürftige, heißt es im Buch. ÄrztInnen untersuchen und beurteilen, managen das Risiko. Der Mutter-Kind-Pass ist deren Hilfsmittel und macht Frauen aber eigentlich „abhängig“ und viel öfter unsicher. Unsicher körperliche Vorgänge betreffend und ängstlich in Bezug auf Abweichungen und Komplikationen. Überwacht ist nicht gleichbedeutend mit „sicher“ und garantiert keineswegs kindliche und mütterliche Gesundheit, so Doris Mosers Erkenntnis.

Großes Thema ist auch das Frausein an sich, – ist es die Thematik Körperlichkeit und Körpergefühl sowie Körper- und Selbstbewusstsein – ein heutzutage vielfach verlorenes – unterdrücktes? – Gefühl der Frauen in Bezug auf ihren Körper, das für das fehlende Vertrauen in Schwangerschaft und Geburt verantwortlich ist und sie wieder in die vermeintliche Sicherheit der Medizin treibt?

Trotz aller Kritik, aller Denkanstöße, die spannend, interessant und mutig sind, hält die Autorin aber fest: Krankheit und Pathologien gehören ohne Zweifel in die Hände der Ärzte! Die Physiologie jedoch in die Hand der Hebammen, die immerhin drei Jahre lang genau dafür an der Fachhochschule ausgebildet werden. Und die im Idealfall noch eine große Portion Persönlichkeit, Empathie und einen ganzheitlichen Blick auf die so besondere, so bedeutende und ja, so schöne Phase im Leben einer Frau, mitbringen! Nicht zuletzt deshalb kommen auch Frauen und Hebammen in diesem Buch zu Wort, um ihre Sicht der Dinge zu schildern. Jeder Blickwinkel ist interessant und hat seine Berechtigung.

Egal, welche Meinung man sich schließlich am Ende bildet, nachdem man das auf jeden Fall bemerkenswerte Buch durchgelesen hat, es vielleicht ebenso „neben Haushalt und Kindern Hinterherrennen verschlungen“ hat, wie es eine andere Leserin anschaulich geschildert hat; egal, ob man mit allen oder nur einem Teil der Argumente d´accord geht (so wie ich zum Beispiel die Sichtweise der „staatlichen Überwachung von uns Frauen“ nicht so recht nachvollziehen kann) – es zahlt sich einfach aus, ein bisschen mehr -nachzudenken, ein bisschen mehr zu hinterfragen und zur Diskussion zu stellen. Das gilt sowohl für werdende Mamas (Was möchte ICH? Womit fühle ICH mich gut?) und Eltern, denen die Lektüre des Buches ans Herz gelegt sei, genauso wie Hebammen, Ärzten und ÄrztInnen und allen, die sich mit Schwangerschaft und Geburt oder schlicht gesellschaftskritischen Fragen auseinandersetzen. Selbst der bekannte Gynäkologe Michael Adam empfiehlt das Buch seiner Kollegenschaft, auch wenn er nicht mit allen Inhalten zu 100% einverstanden ist.

Es steckt einfach viel Wissen und Information in diesem Buch, wissenschaftlich, aber leserfreundlich aufgearbeitet, anhand von Forschungsergebnissen belegt. Im Sinne von künftig mehr „SchwangerenFÜRSORGE denn Schwangerenvorsorge“… Und wer kann die Situation verändern? Wir!

Neue Lausbubengeschichten von Max und Moritz

Elisabeth Boettger-Spoerl, Claudius Verlag

Zu guter Letzt ein Buch für Kinder UND Erwachsene – eine Fortsetzung von Wilhelm Buschs „Max und Moritz“! Mit entzückenden Bildern und natürlich in Reimform, was mir persönlich das Vorlesen zu einem besonderen Vergnügen macht, aber auch die Kinder fasziniert und aufmerksam zuhören lässt. Aber wer hat denn diese „Fortsetzung“ geschrieben? Eine besondere Geschichte steckt dahinter: Als junge Mama hat Elisabeth Boettger-Spoerl in den 1950er Jahren für ihre Kinder gedichtet und gereimt. Und dazu zwei Original Steiff-Biegepuppen zur Hand genommen und mit diesen die neuen Streiche bebildert. Entstanden sind Schwarz-Weiß-Fotos, passend zu den lustigen -Erlebnissen zum Beispiel im Kinderzimmer oder im Nähkästchen aufgenommen, die Boettger-Spoerl dann auch noch mit viel Liebe von Hand nachcoloriert hat:

Als erstes greift mit frohem Mut sich jeder einen Fingerhut. Der Moritz setzt ihn auf sein Köpfchen und fühlt sich wie ein großer Held. Der Max benutzt ihn gar als Töpfchen, weil ihm das besser so gefällt.

Die Kinder wurden größer, „Max und -Moritz“ neue Lausbubenstreiche vergessen – bis die Enkelkinder ein halbes Jahrhundert später diesen „Schatz“ wiedergefunden haben und ihn nun alle in Buchform in Händen halten können. Ein nostalgisches Buch mit besonderem Charme, das Jung und Alt gefallen wird – und wahrscheinlich „ALT“ noch ein bisschen mehr als Jung…

Autorin: Mag. Veronika Stampfl-Slupetzky