SauberwerdenWie es funktioniert?

Sauber sein, keine Windeln mehr brauchen – das ist eines der Erziehungsziele, die mitunter ganz stark von der Großeltern-Generation eingefordert werden. Haben Sie das nicht auch schon einmal gehört: „Also, du warst in dem Alter schon lange sauber!“

Ja, zugegeben – müssten wir heute noch Stoffwindeln händisch auskochen, wären wir wohl auch noch einmal mehr daran interessiert, dass nicht mehr hineingekackt wird. Aber zum Glück gibt es ja mehr Möglichkeiten heutzutage und so können wir doch etwas mehr aufs Kind hören und dessen Bedürfnisse berücksichtigen statt rigide Konditionierungsmethoden einzusetzen!

Was heißt denn überhaupt sauber sein?

Ein paar Fakten vorab – zu allererst müssen wir unterscheiden zwischen Blasen- und Darmkontrolle. Letztere wird meist früher erreicht, weil der Drang nach Entleerung deutlicher spürbar ist und das „Ereignis“ oft nur einmal am Tag und das noch dazu vielleicht sogar zur gleichen Zeit, stattfindet.
Weiters muss zwischen Tag und Nacht unterschieden werden. Mitunter sind Kinder tagsüber bereits sauber, nässen aber in der Nacht noch ein. Im Körper muss sich erst ein Hormon ausbilden, das im Schlaf die Übermittlung der Botschaft „Blase voll – bitte aufwachen“ an das Hirn übernimmt. Solange dieses Hormon nicht seine Arbeit tut, kann das Kind die Nacht nicht trocken überstehen.

War das Kind nachts schon trocken und nässt plötzlich wieder ein, kann das an Stress liegen, hervorgerufen etwa durch einen Urlaub, einen Umzug oder auch einen Kindergartenwechsel. Vielleicht auch an einer gerade überstandenen Blasenentzündung – meist geht das bald wieder vorbei. Dauert die Situation länger an, suchen Sie am besten einmal das Gespräch mit der Kinderärztin.

Ist mein Kind schon so weit?

Woran kann ich merken, dass mein Kind bereit ist? Es braucht ein Wort dafür – welches ist egal, das liegt an Ihnen, was Sie anbieten und hören wollen – Also das kann „Lulu“, „Gaga“, „Klo“ oder was auch immer sein, wichtig ist, dass das Kind es in Zusammenhang mit den Vorgängen in seinem Körper bringt. Das ist eine wichtige kognitive Voraussetzung!

In der Tat gibt schon ein Neugeborenes „Zeichen“ wie etwa ein Zucken von sich, kurz bevor es sich entleert – es würden ja sonst täglich Abertausende von Müttern, die das Kind im Tragetuch bei der Feldarbeit bei sich haben, mehrmals täglich angepinkelt. Die Windelfrei-Methode, die bei uns immer populärer wird, macht sich diesen Reflex zunutze. Es ist tatsächlich möglich von Anfang an windelfrei zu leben, es setzt aber sehr viel Beobachtung und Interaktion mit dem Baby voraus. Der Reflex wird übrigens nach einigen Monaten „verlernt“, wenn nicht darauf reagiert wird.

Als körperliche Voraussetzung gilt: Erst wenn das Kind selbstständig Stiegen hinuntergehen kann, sind alle betroffenen Muskeln, die für das Sauberwerden benötigt werden, fertig ausgebildet!

Und natürlich muss das Kind auch von sich aus wollen. Treffen alle drei Punkte zu, haben Sie optimale Bedingungen.

Sie merken daran auch, dass man kein exaktes Alter nennen kann. Bei manchen Kindern ist es einfach früher so weit, bei manchen später. Remo Largo, der prominente Schweizer Kinderarzt und Autor von „Babyjahre“, hat in seinen Langzeitstudien festgestellt, dass Kinder im Durchschnitt mit 2,5 Jahren sauber werden. Wie lange, intensiv oder mit welcher Methode vorher „trainiert“ wurde, hatte wenig Einfluss auf den Zeitpunkt.

Was können Eltern tun?

Wie immer zählt die Vorbildwirkung – wahrscheinlich schaffen Sie es ohnehin nicht ohne Kind aufs Klo zu gehen. Aber fürs Sauber werden ist es wichtig, dass das Kind die Alternative zur Windel auch sieht. Sie kommen dann bestimmt auf die Idee, es auch so wie die Großen machen zu wollen.

Erleichtern Sie Ihrem Kind den Gang aufs Töpfchen, in dem Sie ihm leicht ausziehbare Kleidung anziehen – also Hose mit Gummizug statt Jeans mit Gürtel. Gerade anfangs vergehen zwischen der Meldung „Lulu“ und dem Zeitpunkt, an dem es zu fließen beginnt, nur wenige Sekunden!

Und üben Sie sich in Geduld, schauen Sie auf Ihr Kind und versuchen Sie, wohlmeinende Ratschläge möglichst zu überhören!