ScheideninfektionenGefährlich für das Baby

Scheideninfektionen stellen das häufigste Krankheitsbild in der frauenärztlichen Praxis dar. Bis zu fünf Prozent der Patientinnen, die eine normale Vorsorgeuntersuchung vornehmen lassen, leiden an zum Teil bis dahin unbemerkten Infektionen der Vagina.

Die Ursache ist so gut wie immer eine Störung der normalen und gesunden Scheidenflora. Diese setzt sich aus einer Vielzahl von „gesunden“ Keimen zusammen, die eine wichtige Aufgabe in der Abwehr von Krankheitserregern erfüllen. Der überwiegende Teil der normalen und gesunden Vaginalflora besteht aus Laktobazillen, die für das saure Milieu der Scheide verantwortlich sind. Durch äußere und innere Einflüsse kann es nun zu einer Veränderung des Scheidenmilieus kommen. Scheideninfektionen haben besondere Bedeutung in der Geburtshilfe, da sie einerseits zu Frühgeburten führen können, andererseits Infektionen des Neugeborenen auslösen können. Durch die hormonelle Disposition in der Schwangerschaft ist das Scheidenmilieu empfänglicher als sonst für Bakterien und Pilze.

Woran erkennt man eine Scheideninfektion?

Die Symptome einer Scheideninfektion reichen von Schmerzen während des Geschlechtverkehrs, Rötungen der Vaginalschleimhaut bis hin zu unangenehmen vaginalen Ausflüssen. Ebenso können Fieber, Muskelschmerzen und Müdigkeit auftreten. Auf jeden Fall ist die Diagnose durch einen vom Gynäkologen vorgenommen Abstrich sicherzustellen.

Die Bandbreite der Erreger reicht von Bakterien und Pilzen über Viren bis hin zu Protozoen (= bakterielle Erreger).

Bakterien

Die bakterielle Vaginose stellt eines der häufigsten Beschwerdebilder einer vaginalen Infektion dar. Meist handelt es sich um anaerobe Bakterien, die die gesunde Scheidenflora verdrängen. Es wird vermutet, dass ein Verlust an bestimmten Milchsäurebakterien maßgeblich zur Entstehung einer bakteriellen Vaginose beiträgt. Bakterielle Vaginosen tragen ein hohes Risiko für Frühgeburten in sich, daher wird schon sehr früh in der Schwangerschaft eine Therapie empfohlen.Therapiert werden bakterielle Vaginosen mit Antibiotika, anschließend ist ein Wiederaufbau der gesunden Scheidenflora mit Präparaten die Laktobazillen enthalten, sinnvoll.

Pilze

Hauptsächlich verantwortlich für Scheidenpilzinfektionen ist der Sprosspilz Candida albicans. Er kann auch im gesunden Scheidenmilieu vorhanden sein, jedoch muss die Standardflora der Vagina aus dem Gleichgewicht sein, damit er zu einer Infektion führen kann. Häufig ist diese Voraussetzung nach der Behandlung mit Antibiotika oder bei bestimmten Grunderkrankungen wie Dia-betes mellitus vorhanden, ebenso bei gewissen Immunschwächen.

Ein Scheidenpilz stellt zwar während der Schwangerschaft kein sonderlich großes Risiko für das Ungeborene dar, sollte aber trotzdem therapiert werden, da sich das Baby während der Geburt damit anstecken kann und danach an diversen Pilzinfektionen leiden kann. Therapiert wird lokal mit Zäpfchen und Cremes, eventuell auch mit Tabletten.

Viren

Die wichtigsten Infektionen durch Viren werden durch humane Papilloma Viren (HPV) sowie Herpes-Simplex-Viren (HSV) übertragen. HP-Viren befallen zum Teil den Genital- und Harntrakt des Menschen, die Durchseuchungsrate der Bevölkerung wird mit 80 Prozent angenommen. Jedoch muss zwischen Hoch- und Niedrigrisiko HPV unterschieden werden. Durch eine chronische Infektion mit Hochrisiko HPV kann es zu Wucherungen und in weitere Folge zur Bildung von Gebärmutterhalskrebs kommen.

Herpes Simplex Virus-Infektionen werden in Erstinfektionen und Wiederaufflammen des Virus unterteilt. Erstinfektionen können auch sehr symptomarm verlaufen. Dieser Umstand ist in der Geburtshilfe von besonderer Bedeutung, da es während des Geburtsvorgangs zu einer Infektion des Neugeborenen kommen kann, die zu schwersten Schädigungen des Nervensystems und bis zum Tod des Kindes führen kann. Die Erkrankung wird mit Virustatika, Medikamente, die sich gegen das Virus richten, behandelt. Tritt eine Erstinfektion rund um den Geburtstermin auf, so kann zusätzlich eine Kaiserschnittentbindung zum Schutz des Kindes notwendig sein.

Beugen Sie vor

Werdende Mütter sollten jedenfalls ihre Vaginalflora gesund halten. Mit einem einfachen Selbsttest, nämlich der Messung des pH-Wertes der Scheidenflora,  kann die Schwangere alle zwei Wochen feststellen, ob sich der Säuregehalt ihrer Scheidenflora verändert hat oder nicht, noch bevor erste Krankheitszeichen auftreten. Meist reicht es schon aus, den pH-Wert in der Scheide durch geeignete Milchsäurepräparate wieder zu senken.

Bewährt haben sich Präparate mit Laktobazillen, aber auch mit Vitamin C (Ascorbinsäure). Ebenso kann Hyaluronsäure zur Regenera-tion der Vaginalschleimhaut, auch nach der Geburt, hilfreich sein.

Der Gynäkologe kann in der Folge überprüfen, ob sich schon Krankheitserreger ausgebreitet haben oder nicht, und ob weitere Medikamente zur Therapie und zum Schutz des Ungeborenen nötig sind.

Autorin: Mag. pharm. Dr. Irene Promussas