Sonnenschutz für KinderUnterschätzen Sie die Sonne nicht

Die empfindliche Kinderhaut bietet wenig Schutz vor direktem Sonnenlicht und ist erst mit circa sechs Jahren mit der eines Erwachsenen vergleichbar. Ein Sonnenbrand ist für Kinder besonders gefährlich, da er die Haut auch langfristig schädigen kann. Kinder benötigen daher einen besonders guten Sonnenschutz. Kleinkinder soll man gar nicht der prallen Sonnenstrahlung aussetzen.

Kinderhaut

Die Haut der Kinder hat nur einen schwach ausgeprägten Eigenschutz, die Produktion des braunen Hautfarbstoffes Melanin ist noch gering. Der Säureschutzmantel und die Aktivität der Talgdrüsen sind ebenfalls noch sehr schwach ausgeprägt. Es besteht daher eine gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlen. Kinderhaut ist auch dünner als die von Erwachsenen. Umso wichtiger ist es daher, die Haut vor der gefährlichen UV-Strahlung zu schützen. Die Eigenschutzzeit von Kinderhaut beträgt nur fünf bis zehn Minuten, danach droht bereits ein Sonnenbrand. Lichtschäden summieren sich im Laufe des Lebens. Kinder sind der Sonne generell viel häufiger ausgesetzt als Erwachsene. Es wird angenommen, dass man bis zu seinem 18. Lebensjahr rund 80 % der UV-Strahlenbelastung des ganzen Lebens ausgesetzt ist.

Aufenthalt in der Sonne

Die Sonne ist lebenswichtig für Kinder, sie fördert die Bildung von Vitamin D, das Kalzium in der Nahrung verwertet und für die Knochen wichtig ist. Zur Vorbeugung eines Vitamin-D-Mangels reichen in den Sommermonaten täglich etwa 15 Minuten indirekte Sonneneinstrahlung völlig aus. Die Sonne wirkt positiv auf die Psyche und löst Reaktionen aus, die den Stoffwechsel anregen. Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass Erwachsene, die an einer besonders bösartigen Form des Hautkrebses, dem Melanom, erkrankt sind, in jungen Jahren besonders häufig übermäßiger Sonnenbestrahlung ausgesetzt waren. Man sollte daher darauf achten, dass Kinder nie einen Sonnenbrand bekommen. Ein guter Sonnenschutz ist daher wesentlich. Auch Wolken oder Sonnenschirme lassen immer noch einen Teil der UV-Strahlung durch. Eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor sollte also unbedingt verwendet werden.

Auch die Augen brauchen Sonnenschutz, es gibt gute Sonnenbrillen auch schon für Kleinkinder. Wählen Sie ein gutsitzendes Modell, das die UV-Strahlen optimal filtert. Die Glasfarbe hat keinen Einfluss auf den Strahlenschutz, dunkle Gläser sind bei greller Sonne fürs Auge lediglich angenehmer. Verwenden Sie nach Möglichkeit auch im Sommer Langarmkleidung. Diese stellt auch einen guten Schutz gegen Insektenstiche dar.

Sonnencremes für Kinder

Kindersonnencremes ziehen schneller ein, enthalten weniger Duftstoffe und haben einen höheren Lichtschutzfilter als die meisten herkömmlichen Sonnencremes. Die Cremes sind außerdem meist fetthaltiger als die für Erwachsene und die Lichtschutzfaktoren sind besonders hoch, meist zwischen 18 und 35. Es gibt Sonnencremes mit mineralischen und synthetischen Sonnenschutzfiltern. Mineralischer Sonnenschutz ist ein physikalischer Filter, der die UV-Strahlen reflektiert. Synthetischer Sonnenschutz hingegen besteht aus chemischen Substanzen, UV-Strahlen werden absorbiert und in Wärme umgewandelt.

Das Verbrauchermagazin „Ökotest“ hat Proben beider Produktvarianten unter die Lupe genommen und fand zum Teil bedenkliche Inhaltsstoffe. Die Tester kritisierten vor allem allergieauslösende Duftstoffe und polyzyklische Moschusverbindungen, die in Verdacht stehen, die Leber zu verändern. Unter den chemischen UV-Filtern gab es einige, die Allergien auslösen und wie Hormone wirken. „Ökotest“ empfiehlt daher einen mineralischen Sonnenschutz. Deshalb lohnt ein Blick auf die Inhaltsstoffe: Gut sind Titaniumoxid und Zinkoxid, weil sie sofort wirken und gesundheitlich unbedenklich sind.

Bei Verwendung einer mineralischen Sonnencreme kann man sofort in die Sonne gehen, die UV-Strahlen werden gleich reflektiert. Bei synthetischen Lichtschutzfaktoren sollte man etwa 30 Minuten warten. Nach etwa zwei Stunden sollte man nachcremen. Der Lichtschutzfaktor eines Sonnenschutzmittels gilt immer für den ganzen Tag. -Nachcremen verlängert die Zeit daher nicht, in der man sich der Sonne aussetzen kann. Die meisten heutigen Sonnencremes sind ausreichend wasserfest, dennoch sollte man nach jedem Baden das Eincremen wiederholen. Wenn Ihr Kind das Eincremen nicht mag, können Sie auch einen farbigen Sonnenspray versuchen.

Neurodermitis und Sonnenschutz

Zu empfehlen sind Produkte mit mineralischem Lichtschutz. Diese Produkte enthalten mineralische Pigmente, die sich auf die Haut legen und nicht in diese eindringen. Sollten Sie unsicher sein, welches Präparat für Ihr Kind am besten ist, fragen Sie Ihren Kinderarzt. Es gibt spezielle Präparate für sensitive Haut.

Flüssigkeitszufuhr

Kinder die schwitzen, müssen auch trinken: Stellen Sie immer genügend Getränke bereit, am besten Wasser oder ungesüßte Frucht- und Kräutertees. Stillkinder sind mit Muttermilch ausreichend versorgt, Sie können sie jedoch häufiger anlegen. Beobachten Sie Ihr Kind: Ein roter Kopf, Übelkeit oder starke Unruhe könnten erste Anzeichen einer Überhitzung sein, man sollte daher sofort in den kühlen Schatten wechseln.

Gut durch die Hitze mit einem Tragetuch

Getragen zu werden erfüllt ein absolutes Grundbedürfnis des Babys. Es vermittelt das vertraute Gefühl aus dem Mutterleib: Körperkontakt, Mamas (oder Papas) Herzschlag, sanftes Schaukeln – so fühlen sich die Kleinsten wohl und geborgen. Außerdem ist es praktisch für Mama und Papa, da das Baby nirgendwo alleine bleiben muss – egal, ob beim Einkaufen, bei der Hausarbeit oder beim Spazierengehen: im Tragetuch ist es immer dabei und kann an allem teilhaben. Im Sommer bietet das Tragetuch neben all seinen anderen bekannten Vorteilen, einen zusätzlichen Schutz vor Sonne und Hitze.

After-Sun-Lotionen

After-Sun-Lotionen sind auch für Kinder zu empfehlen, sie enthalten pflanzliche Öle und werden leicht von der Haut aufgenommen, zudem enthalten After-Sun-Lotionen hautberuhigende Inhaltsstoffe.

Sonnenbrand

Bei einem Erwachsenen kann bereits nach 10 bis 15 Minuten Mittagssonne ein Sonnenbrand auftreten. Kinder sollten schon früh lernen, wie man mit Sonne umgeht, damit der richtige UV-Schutz als Erwachsener selbstverständlich wird. Achten Sie auf Ihre Vorbildwirkung!

Die UV-Strahlen der Sonne können zu Hautrötungen führen, aber auch die DNA schädigen. Je nach Hauttyp wird die Haut nach dem Sonnenbad rot, schwillt an und schmerzt bei der leichtesten Berührung. Je nach der Strahlenintensität können sich Blasen bilden und die Haut kann sich später abschälen. Bei ganz schwerem Sonnenbrand kann es sogar zum Blutdruckabfall, Schwächegefühl und Ohnmacht kommen. Kompressen mit kaltem Wasser können helfen, auch zwei, drei Tage danach kann die gerötete Haut durch feucht-kühle Auflagen beruhigt werden. Der Sonnenbrand klingt nach wenigen Tagen von alleine ab, wenn weitere Sonneneinstrahlung vermieden wird. Allerdings kann es Wochen dauern, bis die Haut vollständig regeneriert ist. Wenn sich die Haut nach einem Sonnenbrand abgeschält hat, ist die neu gebildete Haut dünn und besonders empfindlich für UV-Strahlen. Setzen Sie diese Hautbereiche daher keinesfalls direktem Sonnenlicht aus, bevor die Haut sich vollständig regeneriert hat. Gegen die Schmerzen bei Sonnenbrand kann auch ein Schmerzzäpfchen – nach Absprache mit dem Kinderarzt – sinnvoll sein. Bei stärkerem Sonnenbrand sollte der Arzt aufgesucht werden!

Sonnenallergie

Nicht hinter jedem Ausschlag nach Sonneneinstrahlung steckt eine Sonnenallergie. Durch das Schwitzen beispielsweise können einfache Hitzepickel entstehen, es bilden sich winzige helle Bläschen oder rote Pünktchen. Am besten sorgt man mit weiter, luftdurchlässiger Kleidung vor.

Etwa 10 bis 20 % der Bevölkerung leiden tatsächlich an einer Sonnenallergie. Typisch hierfür ist, dass nach der Sonneneinstrahlung an den nicht bedeckten Körperstellen stark juckende, kleine Pusteln oder Bläschen auftreten. Betroffen sind eher Menschen mit lichtempfindlicher heller Haut.

Die wichtigste Grundregel zur Vorbeugung lautet, die Haut äußerst vorsichtig an die Sonne zu gewöhnen und ein spezielles Sonnenschutzmittel zu verwenden, das sowohl UV-B- als auch UV-A-Strahlen abschirmt. Zusätzlich kann man mit Medikamenten der Entstehung einer Sonnenallergie vorbeugen. Um die Beschwerden zu lindern, empfiehlt sich ein kühlendes Gel, das als Wirkstoff ein juckreizstillendes Antihistaminikum enthält.

Tipps für den Sommer

  • Kinder sollten die Mittagssonne meiden.
  • Säuglinge und Kleinkinder sollen überhaupt nicht in die direkte Sonne.
  • Kleidung und Tragetuch stellen den besten Sonnenschutz dar, Kopfbedeckung nicht vergessen!
  • Vermeiden Sie Sandalen – es ist wichtig, dass der Fußrücken ausreichend geschützt ist.
  • Suchen Sie einen Schattenplatz auf, sobald Sie die ersten Zeichen eines Sonnenbrandes bemerken.
  • Auch unter bewölktem Himmel kann ein Sonnenbrand entstehen, denn Wolken bieten keinen vollständigen UV-Schutz.
  • Tragen Sie die Sonnencreme rechtzeitig auf und erneuern Sie den Schutz regelmäßig.
  • Ziehen Sie wasserfeste und mineralische Sonnencremes vor.
  • Nach dem Sonnenbaden ist eine After-Sun-Lotion empfehlenswert.
  • Wählen Sie einen hohen Sonnenschutzfaktor. Je höher Sie sich im Gebirge bzw. je näher Sie sich am Äquator aufhalten, umso höher sollte der Lichtschutzfaktor sein.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind unter keinen Umständen einen Sonnenbrand erleidet!

Autor: Prim. Univ.-Lektor DDr. Peter Voitl, MBA