Spielen von Anfang anVON DER SCHUBLADENERKUNDUNG BIS HIN ZUM BRETTSPIEL

Flora (1) ist ihrer Mutter in die Küche nachgetappst und beginnt dort unter Mamas Aufsicht die untersten Schubladen zu erforschen. Dabei hat sie Kochtöpfe und dazu passende Deckeln entdeckt. Das kleine Mädchen hat große Freude daran alles, was sie kann, auszuräumen und aufzustellen.


Sina und Mario spielen mit den Puppen Vater, Mutter, Kind.


Deyan spielt mit seinem Vater ein Brettspiel. Beide haben viel Spaß. Als Deyan verliert, beginnt er zu schreien und zu toben, wischt wütend das ganze Spiel vom Tisch und rennt aus dem Zimmer.

Das Recht der Kinder auf Spielen ist in der UN-Kinderrechtskonvention verankert. In Artikel 31, Absatz 1 heißt es: „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben.“

Das Spiel ist der Königsweg des Lernens.

Für Kinder ist alles ein Spiel.

Sie erkunden von Anfang an ihre Umwelt spielerisch. Durch das Spiel lernen sie täglich Neues, erfahren, wie Dinge aussehen, schmecken und riechen, sowie was man mit ihnen machen kann. Sie begreifen Zusammenhänge. Sie erleben die Interaktion mit ihrer Umwelt, mit ihren Bezugspersonen und anderen Menschen, mit ihrer Umwelt.

So fördert das Spiel die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung des Kindes.

Parallel zur Entwicklung des Kindes verändert sich auch das Spielverhalten der kleinen Menschen.

Spiellust bereits bei den Kleinsten

Ein Säugling nimmt sein Umfeld vor allem über sensorische Reize wahr und beginnt sich dadurch ein Bild von der Welt zu machen.

Das Neugeborene spürt die verschiedensten Berührungen seiner Mutter und seines Vaters auf der Haut. Da sind die Finger und Hände der Eltern, die ihr Kind streicheln, wiegen, herumtragen, kitzeln oder massieren, ein warmes feuchtes Tuch, das den Körper abwischt, warmes Wasser, das beim Baden über die Haut rinnt, das Baby-Öl oder die Creme, mit der das Baby eingeschmiert wird, die Windel und das Gewand, sowie ein kühler Luftzug oder wärmende Sonnenstrahlen beim Spazieren gehen.

Weitere sensorische Reize sind die Stimmen der Eltern, die Tonlage, in der die Mama oder der Papa untertags beim Wickeln, Füttern und Schlafenlegen mit dem Baby sprechen, die verschiedensten Worte, das vorgesungene Schlaflied, das Lachen, das Streiten und die Spielgeräusche von größeren Geschwistern, der Lärm von drinnen und draußen.

Das Baby riecht und schmeckt und macht auch dabei neue Erfahrungen.

Sobald das Baby beweglicher wird, erweitert es seinen Spielraum, indem es nach Dingen greift, geeignetes Spielzeug wie Rassel, Beißring, Kuscheltier betastet, vor den Augen hin und her bewegt, in den Mund steckt oder fallen lässt. Es hat Freude an den Geräuschen, an den Farben und Formen.

Bewegung kommt ins Spiel

Mit etwas mehr als einem halben Jahr sind die meisten Babys schließlich soweit mobil, dass sie sich durch Rollen, Robben und Krabbeln im Raum bewegen und so neue Dinge erforschen können. Wie interessant ist es jetzt dem Ball oder einem Auto nachzuschauen und dann hinterher zu krabbeln.

Ganz schnell vergeht das erste Lebensjahr eines Kindes und plötzlich kann es gehen und nichts ist mehr sicher vor den kleinen Händen. Spätestens dann gilt es die Wohnung kindersicher zu machen, sodass das kleine Kind sich unfallfrei durch die Zimmer bewegen kann und die Eltern oder Bezugspersonen nicht dauernd hinterher sein müssen. Die untersten Regalfächer oder Laden sind plötzlich sehr interessant und das Kind entdeckt, dass es diese ausräumen, die Laden auf und zu machen und die Kügelchen oder die Erde aus den Blumentöpfen herausholen kann.

Durch diese sogenannten Funktionsspiele, werden die Körperbeherrschung und die gezielte Körperbeherrschung geübt. Sie treten am frühesten auf, und sind gegen Ende des ersten Lebensjahres die einzige Spielform. Gleichzeitig sammelt das Kind dadurch vielseitige Materialkenntnisse. Nachziehtiere und Sachen zum Schieben sind jetzt spannend.

Mit der Entwicklung der Sprache und des Wortschatzes werden Bilderbücher mit großen Bildern, die Kinder erkennen und langsam auch benennen können, wichtig und sie schauen sich diese meist gerne an.

Mit dem Alter wächst auch das Spielrepertoire: Bau, Symbol und Regelspiele.

Mit zunehmendem Alter beginnen die Kleinen sich für das Bauen und Konstruieren zu interessieren. Das Aufeinanderstapeln von Bechern und Bausteinen macht den Kindern jetzt Spaß. Da werden die Bausteine erst in Reihen gelegt und später aufeinandergetürmt. Das Zusammenstecken und exaktes Stapeln gelingen mit der Zeit immer besser.

Aber auch Sortieren und Ordnen z.B. in die Bausteinbox werden interessanter. Beim Konstruktionsspiel haben Kinder schon zu Beginn eine Idee, was sie bauen wollen, können aber im Spielverlauf des Öfteren die Richtung ändern. Hierzu gehören alle Spiele, die auf ein fertiges Ergebnis ausgerichtet sind. Je älter Kinder werden, desto eher haben sie einen genauen Handlungsplan, den sie gezielt umsetzen, um das zu erreichen, was sie sich vorgestellt hatten.

Viele Kinder beginnen bereits mit circa zwei Jahren mit dem Symbolspiel, also „so zu tun, als ob“. Da wird erst der Papa und später die Puppe gefüttert, das Kuscheltier schläft, der Baustein wird über den Boden geschoben und so zum Auto. Im Symbolspiel ahmen die Kinder vor allem die Tätigkeiten der Eltern und Bezugspersonen nach. Sie spielen die Erlebnisse aus ihrem täglichen Leben nach und verarbeiten und vertiefen ihre Erfahrungen.

Im Gegensatz dazu übernehmen sie beim Rollenspiel, das sie meist ab einem Alter von 3-4 Jahren zu spielen beginnen, wirklich die Rolle der Person, die sie darstellen. Es ist den Kindern also bereits möglich die Perspektive zu wechseln und sich in andere hineinzuversetzen. Sie ahmen hier die Verhaltensweisen und Beziehungen der Erwachsenen nach und können damit im Spiel Rollen ausprobieren, die sie im wahren Leben nicht einnehmen können und damit ein Stück weit ihre Identität finden.

So kann das Kind durchaus mal die Prinzessin oder der König sein, Befehle geben und sich von Mama oder Papa bedienen lassen. Es kann in die Rolle des bösen Räubers oder des Polizisten schlüpfen, es kann die Weltraumfahrerin, der Arzt, der Hund oder der Drache sein.

Im Rollenspiel ist bereits ein gemeinsames Spielen möglich. Die Kinder üben hier das soziale Miteinander, es werden gemeinsame Regeln erstellt, an die sich alle halten -müssen. Auch lernen sie auf andere Rücksicht zu nehmen, ihre eigenen Wünsche durchzusetzen oder zurückzustecken und gemeinsam Lösungen zu finden.

Die höchste Form des Spiels sind die Regelspiele, zu denen alle Würfel-, Brett- und Kartenspiele gehören. Kinder im Vorschulalter können bereits einfache Regelspiele spielen und sich an die vorgegebenen Regeln halten. Auch davor spielen sie oftmals gerne schon Brettspiele, brauchen dafür aber meist vereinfachte Regeln.

Hier wird oft deutlich, wie schwierig es sein kann zu verlieren. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Kind wütend das Spiel vom Tisch schubst und verzweifelt weinend davonrennt.

Für Eltern heißt es dann die Ruhe zu bewahren, ihrem Kind seine Frustration, seinen Ärger und seine Trauer zuzugestehen, ihm aber gleichzeitig klar zu machen, dass es nicht in Ordnung ist das ganze Spiel zu zerstören.

Autorinnen: Dipl.- Päd. Andrea Leidlmayr, BEd & Mag. Christine Strableg