Wandern mit der ganzen FamilieSpaß oder Katastrophe?

Ich liebe wandern und du? Wandern ist super, man bewegt sich, ist an der frischen Luft, sammelt Erlebnisse sowie spannende Abenteuer, wird oft mit einer spektakulären Aussicht belohnt und die ganze Familie kann mitmachen. Meistens sind dabei auch alle glücklich – vorausgesetzt, die Bedingungen passen. Eine Familienwanderung, die allen Spaß macht, sollte deshalb gut geplant werden.

Mama & Wandern

Die Geburt ist überstanden, der kleine Zwerg hat sich gut eingelebt und die kurzen Spaziergänge werden langsam länger – Zeit, sich über die erste Wanderung Gedanken zu machen. Denn Wandern ist ein Erlebnis für die ganze Familie und perfekt für die Rückbildung. Vor der ersten Wanderung steht aber vor allem die Mama im Vordergrund, denn alleine du weißt, ob du dich gut fühlst und welche Wanderungen du dir mit deinem Beckenboden schon zutraust. Lieber länger bei den kurzen Spaziergängen bleiben und dafür später das Wandern so richtig genießen können. Zwölf Wochen darfst du dir auf jeden Fall nach der Geburt Zeit lassen – und auch länger. Hör einfach auf deinen Körper. Sobald du dich wohl fühlst und die restliche Familie auch bereit ist, kann es los gehen.

Baby & Wandern

Am Anfang ist das Baby noch im Tragetuch oder im Kinderwagen und das Wandern ist zu dieser Zeit wohl noch am „einfachsten“, wenn man das so sagen kann. Im besten Fall schläft es ganz entspannt und genießt passiv die Bewegung an der frischen Luft. Trotzdem sollte man vor der ersten Wanderung ausprobieren, wie lange das Baby in der Trage oder im Kinderwagen bleibt.

Der Weg muss außerdem unbedingt kinderwagentauglich sein, ansonsten wird die Wanderung zu einem Albtraum. Auch wenn du mit der Trage unterwegs bist, sollten Wege mit Wurzeln und vielen Stolperfallen vermieden werden. Die Sicht nach vorne ist eingeschränkt und ein Sturz ist unbedingt zu vermeiden. Denke daran, dass ihr euch in der Trage gegenseitig wärmt, zieh dich also nicht zu warm an und leg dir am besten – falls du keines hast – ein atmungsaktives Sportleiberl zu.

Kraxe – ja oder nein?

Sobald das Baby selbstständig sitzen und auch über einen längeren Zeitraum den Kopf selber halten kann, ist die Kraxe eine tolle Alternative zu Trage und Kinderwagen. Das wird ungefähr ab dem achten Monat der Fall sein, ist allerdings von Kind zu Kind unterschiedlich. Wie lange es dann in der Kraxe bleiben will, kann auch nicht pauschal beantwortet werden. Für die Wahl der Kraxe lässt du dich am besten beraten, denn es gibt unterschiedliche Modelle und Einsätze für die jeweilige Größe des Babys.

Es ist so weit – die erste Tour

Kinderwagen, Trage oder Kraxe stehen bereit, das Wochenende steht vor der Tür und die erste Tour will geplant werden. Wähle für den Anfang lieber kürzere Touren und finde heraus, wie wanderfreudig dein Baby ist. Schläft es gerne und gut im Kinderwagen oder der Trage, kann die Wanderung länger dauern, als wenn es viel Bewegung braucht und beispielsweise zwischendurch krabbeln möchte. Eine ein- bis dreistündige Wanderung ist am Anfang oft schon genug. Danach kann man einfach individuell und langsam steigern. Wie lange die Wanderung dauern soll oder wie weit man gehen kann, ist pauschal schwer zu sagen. Am besten findest du das für euch als Familie selbst heraus. So wie ihr als Familie einzigartig seid, sind es auch eure Wanderungen.

Sollte es einmal nicht so klappen mit der geplanten Tour: Einfach beim nächsten Mal wieder probieren. Hat es dem Baby beim letzten Mal nicht gefallen, ist es vielleicht beim nächsten Versuch von der Aussicht aus der Kraxe begeistert.

Kleinkind & Wandern

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, ab dem das Kind am liebsten selbst wandert. Von nun an werden die Wanderungen kürzer und die geplante Zeit länger, denn es gibt viel zu erkunden und zu bestaunen. Mit Stress und Ungeduld kommt man da nicht weit. Das Baby will mal getragen werden, dann wieder selbst wandern und die Welt entdecken: 100 Höhenmeter können da schnell zu einer mehrstündigen Wanderung werden. Gehe am besten entspannt an die Tourenplanung heran und bleib flexibel: Der Gipfel wird nicht erreicht? Dafür habt ihr vielleicht einen ganz besonderen Stein gefunden und ihr nehmt den Gipfel beim nächsten oder übernächsten Mal in Angriff.

Größere Kinder & Wandern – die Weltentdecker

Wandern kann die ganze Familie: klein, groß, jung und alt. Sind die Kinder schon größer oder gibt es ältere Geschwister, wird die Wanderung umso spannender, je mehr es zu entdecken gibt. Je abwechslungsreicher, desto besser. Wähle eine Wanderung rund um einen See oder entlang eines Gebirgsbaches – Wasser fasziniert die Kleinen und lädt zum Spielen ein. Plane dafür viel Zeit ein und werde mit deinen Kindern zum Entdecker. Ihr findet einen besonderen Ast, einen schönen Stein, einen Frosch, bunte Blumen am Wegesrand, … – sieh die Welt mit Kinder­augen. Vielleicht muss das ein oder andere Utensil auch auf jeden Fall mit nach Hause genommen werden. Wenn ihr nicht mehr mit dem Kinderwagen und ohne Trage unterwegs seid, kann der Weg ruhig abwechslungsreich sein, die unterschiedlichen Untergründe sind perfekt für die kindliche Sensorik – und auch für die eigene.

Verpflegung & Co

Abenteuer machen hungrig, pack also eine leckere Jause und genügend zu trinken ein. Vielleicht möchte das größere Kind die kleine Jause schon selbst im Kinderrucksack tragen. Neben der Jause ist der Sonnenschutz wichtig und Pflicht, auch wenn die Sonne nicht scheint. Wie Erwachsene brauchen auch Kinder Wechselkleidung – auch die Babys, die noch nicht selbst gehen. Eine zusätzliche wärmere sowie eine regenfeste Schicht sollten ebenso fix zur Ausrüstung gehören. Für die Bergfreaks und Vielwanderer: Es gibt sogar atmungsaktive Kleidung für Babys und Kleinkinder.

Habe ich die Wanderlust in dir geweckt? Dann wünsche ich dir viele schöne Wanderungen, spannende Abenteuer mit der ganzen Familie und freue mich über deine Erlebnisse der ersten Wanderung.

Faktencheck:

  • Starte mit einer kurzen, bekannten Wander­tour, bei der du weißt, was auf dich zukommt, wie weit es ist, wo es eine Hütte gibt, etc.
  • Denke an Wechselkleidung, etwas ­Warmes zum Darüberziehen und eine regenfeste Schicht.
  • Nicht vergessen: Sonnenschutz für Haut und Kopf
  • Ausreichend Jause und Getränke
  • An welchem Tag? Ruhiger ist es bestimmt unter der Woche, aber auch für das Wochen­ende gibt es Touren, die nicht überlaufen sind.
  • Bleib entspannt und relaxt. Nimm dir nicht zu viel vor und genieße das Wander­erlebnis.
  • Passe die Touren an das Alter des Kindes an – ebene Wege für Kinderwagen und Trage, kürzere Strecken, wenn dein Kind schon selbst wandern möchte und abwechslungsreiche Strecken für ­größere Kinder.

Autorin: Christina Schörghofer, BA